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OLG Hamm: Frauenarzt haftet, weil er Brustkrebs zu spät erkannt hat

Die Klägerin (66) war seit vielen Jahren in frauenärztlicher Behandlung beim beklagten Arzt. Der Beklagte veranlasste jährliche Brustkrebsvorsorgeuntersuchungen, indem er über die klinischen Untersuchung hinaus eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) der Brust veranlasste. 2001 fand eine Mammographie statt, diei die Klägerin nach Vorgaben des Beklagten erst im Jahre 2010 wiederholen sollte.
Aus dieser späteren Mammographie ergab sich der Verdacht eines Mammakarzinoms in einer Brust. Der Tumor wurde diagnostiziert und operativ behandelt- es mussten befallene Lymphknoten entfernt werden. Daraufhin hatte sich die Klägerin einer Strahlentherapie und einer Chemotherapie zu unterziehen lassen. Beim Beklagten machte sie u. a. ein Schmerzensgeld i.H. von 25 000 Euro geltend. Sie meinte, der Brustkrebs hätte bei ihr früher erkannt werden können und müssen und wäre weniger belastend zu behandeln gewesen, wenn ihr der Beklagte schon im Jahr 2002 zu einer Mammographie geraten hätte.

 

Der 3. Zivilsenat des OLG Hamm hat dem Klagebegehren großteils entsprochen und der Klägerin Schmerzensgeld i. H. von 20 000 Euro zugesprochen. Der Beklagte hafte, weil er der Klägerin nicht bereits bei der Vorsorgeuntersuchung im Jahre 2008 zur Teilnahme an einem Mammographie-Screening geraten habe. Zu dieser Zeit sei eine Mammographie als einzig sichere Methode zur Senkung des Mortalitätsrisikos anerkannt gewesen.

In dem speziellen Fall der Klägerin sei der unterlassene Rat, an einem Mammographie-Sscreening teilzunehmen, sogar als grober Behandlungsfehler zu bewerten, weil es der Klägerin während ihrer Behandlung ersichtlich auf die Minimierung jedweden Brustkrebsrisikos angekommen sei und der Beklagte ihr zudem zuvor ein Medikament verordnet habe, das geeignet gewesen sei, das Brustkrebsrisiko zu erhöhen.

Im Sinne der Klägerin müsse deswegen davon ausgegangen werden (den Nachweis eines anderen Verlaufs habe der Beklagte auf Grund des groben Behandlungsfehlers zu erbringen, aber nicht erbracht), dass sich bei einer bereits im Jahr 2008 erkannten Krebserkrankung noch keine Metastasen gebildet hatten und die Klägerin mit einer weniger belastenden Operation hätte behandelt werden können. Auch eine Chemotherapie wäre ihr dann erspart geblieben. Diesen Verlauf habe auch der im Verfahren gehörte medizinische Sachverständige für nicht unwahrscheinlich gehalten. Im Übrigen hätte sich bei einer früheren Behandlung eine günstigere Prognose für die Fünf-Jahres-Überlebensrate ergeben.